Stabausfest in Friesenheim
22.März 2009 14.30 Uhr für Kleine und Große Menschen
mit dem Evangelischen Posaunenchor Undenheim
der Friesenheimer Krabbelgruppe und dem Stabauswaschbär

Heidnische Bräuche ?


Kommt er denn nun – oder kommt er immer noch nicht:
Der Frühling ? Nach diesem langen Winter sehnen wir uns ja wirklich fast alle nach den ersten warmen Frühlingstagen. So ist wohl in ferner heidnischer Vergangenheit auch der Brauch entstanden, den Winter aus dem Dorf zu treiben. Bei uns in Rheinhessen heißt dieses Fest bis heute Stabaus. Nicht überall hat das Fest überlebt, wohl aber in Friesenheim. Die Kinder ziehen am 18.März mit einer an einem Stock befestigten Brezel nebst bunten Bändern durch das Dorf und am Ende wird der Winter im Lagerfeuer symbolisch verbrannt. Unterstützt werden die Kinder dabei ausgerechnet von Aktiven der Evangelischen Kirche: Der Posaunenchor bläst beim Umzug, der Kirchenchor sorgt zusammen mit unserer Krabbelgruppe für Kaffee und selbstgebackenen Kuchen im Evangelischen Gemeindehaus. Und zu allem Überfluss eröffne ich als Pfarrer den Umzug mit einer Familienandacht zwischen den beiden Friesenheimer Kirchen.
Ist das nicht ein Widerspruch in sich? Die Kirche hält ein ursprünglich heidnisches Fest am Leben? Und dann liegt das Stabausfest ausgerechnet in der Passionszeit, zwei Sonntage vor Ostern. Müssten wir Christen uns nicht eigentlich freuen, wenn diese Tradition ausstirbt, wie in den meisten Nachbar-dörfern?
Ich bin nicht dieser Ansicht. Vielleicht sollte man sich daran erinnern, dass selbst der 24.Dezember ursprünglich ein heid-nischer Festtag war, an dem die Geburt der römischen Sonnengottheit sol invictus gefeiert wurde – in der längsten Winternacht nach dem damaligen Kalender. Klugerweise haben die frühen Christen es manchmal verstanden, volkstümliche Traditionen zu bewahren und mit neuem religiösen Inhalt zu verbinden. Und wird nicht gerade in den Passions- und Ostertraditionen der Christen der Weg vom Tod zur Auferstehung dargestellt durch frühlingshafte Bilder vom frischen Grün, dass aus dem kahlen Kreuz austreibt? Da wird unsere Sehnsucht nach neuem Leben aufgenommen. Und das lässt sich doch gut mit der Stabaustradition verbin-den.
Ich denke es lohnt sich, die wenigen alten Dorftraditionen zu erhalten, die es noch gibt, das tut unseren Dörfern gut – und schließlich wünschen ja auch wir Christen uns, dass es endlich Frühling wird, nach so viel Kälte und Schnee…
Einen gesegneten Frühlingsanfang wünscht Ihnen herzlich
Ihr
Pfarrer Frank Holzbrecher


Artikel zum 6.März 2005:

Am Sonntag Laetare war es wieder einmal soweit. Der Krabbelkreis und der Evangelische Kirchenchor luden alle Kinder, Eltern, Großeltern und Freunde zum traditionellen Stabausumzug ein.
Pfarrer Holzbrecher hielt vor der Evangelische Kirche eine kurze Andacht und brachte wieder den Stabauswaschbären mit. Da es dem Bären noch viel zu kalt war, mußten seine Freunde, der Dachs, der Rabe, die Eulen und die Katze den Bären erst einmal mit lautem Rufen wecken. (Herzlichen Dank an die Friesenheimer Konfis, die das Spiel mit den Handpuppen übernahmen) Doch der Stabauswaschbär wollte so gar nicht aus seinem warmen Bau. Erst nachdem die Kinder, mit Unterstützung des Evangelischen Posaunenchors, einige Lieder gesungen und ein kleines Gebet gesprochen hatten, erklärte sich der Stabauswaschbär bereit, mit den Kindern den Winter zu vertreiben. Nun ging es durch die Gassen Friesenheims und wir alle hoffen, dass mit dieser Aktion tatsächlich der Winter vertrieben wurde. Nach dem Umzug konnten die frierenden Besucher die Gemeindehalle aufsuchen und sich bei Kaffee und Kuchen wieder aufwärmen.

von Heike Bernhard-Höhr