im Sonnenblumenfeld
leider kein Undenheimer Sonnenblumenfest 2011, also auch nicht
mit dem Evangelischen Posaunenchor Undenheim
und rheinhessischen Texten im Gottesdienst
keine Abfahrt mit Traktoren ab Georg-Wiegand-Will-Platz
und keine Kinderbetreuung im Irrgarten während der Predigt. Schade !
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"Zum Projekt Mundart in die Kersch"
Mundart in der Sonnenblumenkirche
von Tobias Schmuck (11.Juli 2004)
Bis zum Gottesdienst sollte das schöne Wetter dem Wein- und Sonnenblumenfest
erhalten bleiben, am frühen Nachmittag dagegen stellte sich starker
Regen ein. Wenigstens waren die Mühen der Veranstalter nicht umsonst,
sondern der Gottesdienst im Grünen konnte in diesem Jahr wieder am
11.Juli in einem Sonnenblumenfeld, oder der „Sonnenblumenkirche“, wie
sie Pfarrer Frank Holzbrecher nannte, gefeiert werden.
Als Gäste sorgten die evangelischen Posaunenchöre aus Schornsheim
und Undenheim unter der Leitung von Gerhard May sowie der Kleine Chor
für die musikalische Begleitung. Der Kindergottesdienst unter der
Leitung von Susanne Seibel gestaltete wieder während der Predigt
ein Programm für die Kinder, die das Angebot zahlreich nutzten.
Eingangs überraschte der Pfarrer die Gemeinde mit einer Umfrage,
wer denn abends – oder besser morgens – zuvor noch am längsten gefeiert
hatte. Auch hier ließen sich in der Gemeinde beachtliche Leistungen
feststellen . Nicht ganz so überraschend war die mundartliche
Gestaltung einiger Gottesdienstteile, an der sich die Undenheimer Mundartautorin
Marie-Luise Brehm und Kirchenvorsteher Gerhard May beteiligten.
Die Predigt griff zunächst ein Thema des Wein- und Sonnenblumenfestes
auf, nämlich den Wandel von der Wild- zur Kulturpflanze. Zugleich
habe sich allerdings auch der Mensch verändert. Wenngleich er wohl
immer schon gefeiert habe, hätten die Formen des fröhlichen
Beisammenseins sich ständig gewandelt. So müsse auch die Erzählung
um den Zöllner Zachäus im Zusammenhang mit der Feierkultur seiner
Zeit betrachtet werden: Damals wie heute habe ein Festtagskalender bestanden,
jedoch sei den spontanen Feiern noch viel mehr Gewicht zugekommen – vor
allem wegen der noch recht unstrukturierten Öffentlichkeit, die auf
Treffen mit auswärtigen Gästen schon wegen der Verbreitung von
Nachrichten angewiesen war, die andererseits aber schnell auf die Einkehr
eines Gastes reagieren mußte, weil man sich ja nicht durch Brief
oder Anruf vorher „ansagen“ konnte.
Welche Rolle kommt der Besuch Jesu bei dem Zöllner Zachäus zu?
Die Zöllner im Römischen Imperium verrichteten die lokalen Aufgaben
der ritterlichen Steuerpächter, die sich in Rom alle fünf Jahre
um die regulären Einkünfte einer Provinz bewarben und die Rechte
daran ersteigern konnten. Der Zöllner war sozusagen der vor Ort wahrnehmbare
kleine Finger am langen Arm der Politik – nicht mehr und nicht weniger.
Augenfällig genug, daß diese Aufgabe fast ausnahmslos zur gesellschaftlichen
Ausgrenzung führen mußte.
Jesus sollte allerdings auf gerade diese Person zugehen und ihm bei seiner
Wiedereingliederung helfen. Zachäus erkennt seine Verantwortung gegenüber
seinen Mitmenschen und nimmt sich vor sich zu bessern, weil Jesus Christus
ihm gezeigt hat, daß er noch eine Chance hat, die Isolation zu überwinden.
Diese Offenheit sorgt auch heute in allen gesellschaftlichen Gruppierungen,
seien es Vereine, Kirchen oder Parteien, für eine gemeinsame Grundlage.
Diskriminierung dagegen stellt Einzelne – in Extremfällen auch ganze
Vereine – ins Abseits, die dann überhaupt nicht mehr erleben können,
daß sie angenommen werden und eine Chance haben. Für uns gilt
es heute, Engagement zu zeigen, andere zu achten und zu integrieren. Darin
besteht nicht nur ein wichtiger Teil der Arbeit in unserer Gemeinde, sondern
dies ist ein wichtiger Teil unserer Gemeinde.
Zum Schluß sangen alle zusammen noch „Geh aus o Herz in die Nadur,
do bisde uff de richdisch Spur“, um ein gemeinschaftlich-mundartliches
Ende zu finden.
Die Kollekte richtete sich an die „Landwirtschaftliche Familienberatung
der Evangelischen Kirche“, an der auch Pfarrer Volker Weinmann, ehemaliger
Pfarrer von Undenheim und Friesenheim, maßgeblich beteiligt ist.
Gottesdienst inmitten der Sonnenblumen,
und der Himmel lachte dazu
Artikel vom 13.7.2003
von Marie Luise Brehm
Diesmal mußten wir mit unserem Feldgottesdienst nicht in die Kirche ausweichen
wie im vergangenen Jahr; denn die Sonne strahlte mit den Sonnenblumen
um die Wette, und viele, viele waren gekommen. Pfarrer Holzbrecher begrüßte
zu Beginn alle Anwesenden, unter ihnen besonders auch die auswärtigen
Gäste, die katholischen Mitchristen, den Ev. Posaunenchor wie den „Kleinen
ökumenischen Chor“. Vorab dankte er all denen, die vorbereitend mithalfen,
daß alles reibungslos klappte, vorwiegend der Landjugend Nazarieberg,
die für die Sitzplätze sorgte und Frau Marie-Luise Brehm, die einige Teile
des Gottesdienste in die rheinhessische Mundart übersetzt hatte.
Dem Eingangslied „Wem Gott will rechte Gunst erweisen...“ mit einer Strophe
extra aufbereitet für diesen besonderen Gottesdienst, folgten weitere
Besonderheiten: Psalm 23 in rheinhessischer Mundart „Gott, du bis zu mer
wie en Hirt zu seine Schafe....“, Geh’ aus o Herz in die Nadur, do bisde
uff de richdisch Spur....“ (Geh’ aus mein Herz und suche Freud).und noch
ein Gebet „Gott, du bist aafach wunderbar....“. Anfängliche Befürchtungen,
man könnte es vielleicht nicht verstehen oder gar mitsingen, oder aber
„es käme nicht an“ erwiesen sich als grundlos. Alle sangen mit, und die
Reaktionen waren durchaus positiv.
Der Predigt von Pfr. Holzbrecher lag das Lied von Paul Gerhard „Geh aus
mein Herz und suche Freud...“zugrunde. Er spannte den Bogen von der Entstehung
des Liedes - kurz nach Beendigung des Dreißigjährigen Krieges bis in die
heutige Zeit und beleuchtete einzelne Facetten besonders. So hatte Paul
Gerhard das Lied ursprünglich für seine Frau geschrieben, die krank und
bettlägerig den Tod ihres gemeinsamen Kindes betrauerte. Die Landschaft
und die Natur waren seinerzeit weitgehend ruiniert infolge der langen
Kriegseinwirkung, und das heutige Rheinhessen war ganz besonders davon
betroffen, die Bevölkerung
so gut wie ausgelöscht. Die beschriebene Vielfalt der Natur sollte neue
Hoffnung wecken, der „Garten der Natur“ nur ein Vorgeschmack auf den himmlischen
Garten sein. Aus dem Lied wurde nicht nur eine Mundartversion, sondern
auch ein Protestsong in jüngster Zeit, in welchen Naturschützer nur Negatives
verpackten, was nicht unbedingt Hoffnungen aufkommen läßt.
Dies ließ Pfarrer Holzbrecher feststellen: Überließe man die guten, fetten
Böden Rheinhessens sich selbst, entstünde eine Holundersteppe. So erging
sein Dank an die Landwirtschaft, die dies mit dem Anbau der verschiedensten
Feldfrüchte verhindere. Neue Kraft schöpfen in der Natur, dies treffe
eher den Kern des Liedes von Paul Gerhard und dies komme auch in der Mundartfassung
gut zur Geltung.
Umrahmt wurde der Gottesdienst vom Ev. Posaunenchor unter der Leitung
von Gerhard May, wie auch dem „Kleinen Chor“, ebenfalls unter der Leitung
von Gerhard May mit einem gesungenen „Irischen Segenswunsch“ und dem Lied
„Träume im Wind“, was den Gottesdienst im Sonnenblumenfeld besonders festlich
gestaltete.
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